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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2017.1.1-8
Thierry-Marie Courau / Carlos Mendoza-Álvarez
Kulturen und Religionen im Gespräch
Unser Planet besteht aus kulturell und religiös sehr unterschiedlichen Welten. Was geschieht, wenn sie aufeinandertreffen? Wie begegnen sie einander und wie treten sie in einen Dialog ein, wenn doch ihre Denkweise und ihre Wahrnehmung der Welt so verschieden sind? Was geschieht, wenn ein Chinese auf europäisches Denken trifft, wenn er einem Gespräch zwischen Europäern zuhört, die doch von Strukturen der Sprache und des Denkens geprägt sind, die im Lauf vieler Jahrhunderte gewachsen sind? Und umgekehrt? Allgemeiner gesagt: Wie denkt und kommuniziert man in einer partikularen Kultur, in einer besonderen religiösen Tradition, in einer bestimmten Welt? Wie kann man sich anderen verständlich machen? Kann man sie seinerseits verstehen?

Wenn diese in unserer zeitgenössischen globalisierten Welt allgegenwärtigen Fragen angesichts vermehrter und in immer schnellerer Abfolge geschehender Begegnungen uns bedrängen, können sie zu wahren Schockerlebnissen werden, und so werden sie auch für die theologische Forschung und in zahlreichen anderen Bereichen, angefangen bei politischen Überlegungen, außerordentlich wichtig. Denn wenn die verschiedenen Formen der Kommunikation die Menschen mehr und mehr in eine größere Nähe zueinander bringen, dann wird es unaufhörlich neue Konflikte geben, die von den unterschiedlichen Weisen, die Welt wahrzunehmen, verursacht werden. Dies wird zu Ablehnung, zu Ausgrenzung, zum Bau von Mauern führen.

Dieses CONCILIUM-Heft will sich intensiv mit dem Phänomen der unterschiedlichen kulturellen und religiösen Denkweisen und der Möglichkeit des Dialogs zwischen ihnen befassen; ferner mit ihrer wichtigen Bedeutung für die Theologie unserer Zeit. Mit dem Wort »Denkweise« meinen wir hier ein Gesamtgefüge von untereinander verwobenen »Grammatiken«, von erworbenen Mentalstrukturen, welche das Verstehen dessen, was man erfährt und erkennt, ermöglichen.

Das Problem ist nicht neu. Sehr unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen haben sich mit ihm befasst, angefangen von der Philosophie über die An thropologie, die Linguistik und die Geschichtswissenschaft bis hin zur Sozio logie; und sie haben zu bestimmen versucht, wohin die Begegnung unterschiedlicher Denkweisen führt und unter welchen Bedingungen bei gewissen Studien ein konstruktiver Dialog gelingen könnte. Es gibt jedoch noch wenige fächerübergreifende Arbeiten, die auf die doppelte Notwendigkeit reagieren, einerseits Verbindungen zwischen den jeweiligen Ansätzen der Disziplinen herzustellen, und andererseits die Unterschiede zwischen den kulturellen und religiösen Besonderheiten in Rechnung zu stellen. Außerdem wird das Problem nur selten aus dem Blickwinkel der Begegnung von Religionen betrachtet, oder wenn dies doch einmal geschieht, dann erscheint die Religion bloß als eine Kategorie der Kultur unter anderen. Was die Theologie betrifft, so hat sie all dies nur selten direkt angesprochen, obwohl doch die Kirchen seit Langem aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse damit konfrontiert sind. Die Mission, die Geschichte der Texte und kirchlichen Lehren, die Hermeneutik, die Inkulturation, die Evangelisation ‒ um nur diese wenigen zu nennen ‒ sind ebenso viele Felder, auf denen diese Dynamik tief reichende Wirkung ausübt.

Vorschlag eines Paradigmenwechsels

Der im Juni 2016 in Paris veranstaltete Kongress, der organisiert war von CONCILIUM, vom Institut de Sciences et de Théologie des Religions (ISTR) der Theologischen und Religionswissenschaftlichen Fakultät des Institut Catholique in Paris und von dem sein achthundertjähriges Bestehen feiernden Dominikanerorden, hatte beschlossen, von der Hypothese auszugehen, dass die Anerkennung der kulturellen und religiösen Prägungen einer Welt mit ihren sie von anderen Welten unterscheidenden Eigenarten kein Hindernis für einen wirklichen Dialog mit diesen anderen Welten ist. Ganz im Gegenteil: Die besondere Prägung anderer Welten zur Kenntnis zu nehmen, ist eine der entscheidenden Hilfen, um voranzukommen in einer richtigen Selbsterkenntnis und um gemeinsam mit anderen am Aufbau einer gerechten Gesellschaft arbeiten zu können.

Dieses Denken stellt sich als ein wirklicher Paradigmenwechsel dar, denn die zumeist geübte Praxis und die am häufigsten anzutreffende Meinung bauen auf der Überzeugung auf, dass ein Dialog vor allem dann gelingen könne, wenn die Partner von dem ausgehen, worin sie einander ähnlich sind, wenn sie nach ihrem gemeinsamen Fundament suchen, nach ihrer vor aller Verschiedenheit tatsächlich schon gegebenen Einheit. Um die Sachdienlichkeit dieses Paradigmenwechsels zu erweisen, wollten die Organisatoren des Kongresses, dass der Ansatz der Arbeit von vornherein fächerübergreifend gestaltet werden, also Humanwissenschaften, Religionswissenschaft, Theologie und Kunst zusammenbringen sollte; und auch plurikulturell, also als Einladung an Denkwelten und Religionen mit ihren besonderen Denk- und Lebensweisen ausgerichtet sein sollte.

Die in diesem Heft vorgestellten Ergebnisse des Kongresses sind selbstverständlich sehr partiell2, aber sie können uns helfen, die gestellte Frage ernstzunehmen. Das Thema wird aus vier verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Zum einen durch Überlegungen zu den unterschiedlichen kulturellen und re ligiösen Denk- und Lebensweisen; des Weiteren zum Kontakt mit den realen Verhältnissen in verschiedenen Teilen der Welt; zum dritten zum Thema Wahrheit und Universalität und schließlich zu einigen theologischen Perspektiven. Die ersten beiden Beiträge versuchen die Begriffe genauer zu definieren; die beiden anschließenden fragen, ob die Begriffe der Wirklichkeit standhalten; die zwei folgenden Artikel richten den Blick auf die Zweckdienlichkeit der durch ein neues Paradigma angebotenen Konzeptionen; und in den abschließenden drei Beiträgen wird versucht, Wege in eine fruchtbare Zukunft theologischer Arbeit zu bahnen.

Überlegungen zu den unterschiedlichen kulturellen und religiösen Denkweisen

Was hier mit dem Begriff »Denkweise« gemeint ist, ist nicht so einfach und und unmittelbar zu fassen. Es ist nicht so leicht, von einer Sprache in eine andere zu übersetzen. Es meint systemische Sinnwelten, wie sie jeder Sprache und jeder Weise der Wirklichkeitswahrnehmung zu eigen sind. Sie sind geografischen, historischen und psychologischen Erfahrungsräumen eingeschrieben, die alle komplexer Natur sind. In diesem ersten Teil geht es darum, sich der Vielschichtigkeit der Wirklichkeit bewusst zu werden, die man bei der Verwendung dieses Begriffs in verschiedenen Zusammenhängen im Blick hat, vor allem dort, wo es um Religion geht. Dies wird vor allem erkennbar bei einem Vergleich der westlichen Philosophie mit den Ressourcen der chinesischen Kultur.

Der an der Universität Lyon lehrende französische Philosoph Jean-Jacques Wunenburger fragt nach den epistemologischen und hermeneutischen Paradigmen der Begegnung zwischen religiösen Kulturen. Er schlägt vor, eine Religion einmal als eine Leibnizsche Monade zu betrachten, die in sich geschlossen ist, die weder eine Tür noch Fenster hat und damit einem Spiegelbild des menschlichen Geistes gleicht. Er verwirft den Gedanken eines grenzenlosen Differentialismus ebenso wie den Gedanken einer die Unterschiede wegwischenden universellen Einheit. Stattdessen sucht er Wege zu erschließen, auf denen Religionen dahin gelangen können, einander zu verstehen und Vereinbarungen zu treffen. Insbesondere lädt er sie ein, sich an einen Vermittler zu wenden, der fähig ist, ihnen bei der Suche nach einer neuen Sprache zu helfen, welche die Verständigung der Partner, die Wege zum Dialog suchen, ermöglicht. [...]


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