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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2016.5.575-584
Sabine Demel
Vom untergeordneten Mithelfen zum Mitwirken auf Augenhöhe
Die laienorientierte Umgestaltung der klerikerzentrierten Kirchenstruktur
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Papst Pius X. 1906 in einer Enzyklika erklärt: »Nur die Versammlung der Hirten hat das Recht und die Autorität, zu lenken und zu regieren. Die Masse hat kein anderes Recht, als sich regieren zu lassen, als eine gehorsame Herde, die ihren Hirten folgt.« Rund 60 Jahre später lehrt dagegen das Zweite Vatikanische Konzil, dass die Hirten die Laien brauchen, dass die Hirten ohne die Laien die kirchliche Sendung nicht umsetzen können. So heißt es nun in der dogmatischen Konstitution über die Kirche »Lumen gentium« (LG): »Die heiligen Hirten haben nämlich wohl erkannt, wie viel die Laien zum Wohl der ganzen Kirche beitragen. Die Hirten wissen nämlich, dass sie von Christus nicht eingesetzt sind, um die ganze heilmachende Sendung der Kirche gegenüber der Welt alleine auf sich zu nehmen, sondern dass es ihre vornehmliche Aufgabe ist, die Gläubigen so zu weiden und ihre Dienstleistungen und Gnadengaben so zu prüfen, dass alle auf ihre Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenwirken« (LG 30).

Was für eine kopernikanische Wende! Von den Laien ist nicht mehr im Passiv die Rede, sondern im Aktiv. Die Laien werden nicht mehr als verlängerter Arm der Kleriker gesehen, sondern als eigenständige Glieder der Kirche. Ihnen kommt kraft der Taufe eine eigene Berufung und Sendung zu, die als »Laienapostolat « bezeichnet wird.

1. Die eigene Berufung und Sendung der Laien seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Einen zentralen Niederschlag der neuen Sichtweise über die Laien stellen die beiden Lehren des Konzils über das gemeinsame und besondere Priestertum sowie über den Glaubenssinn aller Gläubigen dar:

  • In den Ausführungen über das gemeinsame und das besondere Priestertum (LG 10) wird dargelegt, dass kraft der Taufe alle Gläubigen – wie das Konzil sagt – zu »einem heiligen Priestertum geweiht« (LG 10,1) werden und dadurch befähigt wie auch beauftragt sind, die göttliche Heilsbotschaft allen Menschen kundzutun. Gemeinsames Priestertum heißt also, dass jedes einzelne Glied des Volkes Gottes in und durch die Taufe berufen ist, an der Sendung der Kirche mitzuwirken. Das ist die erste zentrale Aussage dieser Lehre. Auf ihrer Grundlage wird dann das zweite Element vom »geweihten Priestertum« des ganzen Volkes Gottes wie folgt entwickelt: Wie alle Gläubigen kraft Taufe zum gemeinsamem Priestertum gehören, so sind einige darüber hinaus kraft der Weihe zum besonderem Priestertum bestellt, das auch als das amtliche oder hierarchische Priestertum bezeichnet wird. Dieses besondere Priestertum hat die Aufgabe, dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen Christus, das priesterliche Haupt des Volkes Gottes und damit den eigentlichen Priester, zu repräsentieren und zu vergegenwärtigen. Dadurch soll allen Gläubigen immer wieder neu bewusst werden, dass die Kirche nicht ein Produkt der Menschen oder der Natur ist, sondern eine Gemeinschaft eigenen Wesens, aus eigenem Grund, zu eigenem Zweck. Und Wesen, Grund und Zweck der Kirche ist einzig und allein Jesus Christus mit seinem göttlichen Sendungsauftrag. Aufgabe und Funktion des amtlichen Priestertums machen somit deutlich: Das amtliche Priestertum ist für das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen da und nicht umgekehrt; ja man kann sogar sagen: Gäbe es das gemeinsame Priestertum nicht, gäbe es auch das amtliche Priestertum nicht! Als Augustinus einst zum Bischof bestellt wurde, kleidete er diese Tatsache in die treffenden Worte: »Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof.« Ähnlich hat es Joseph Ratzinger unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert: »Für sich gesehen und auf sich allein hin gesehen ist jeder Christ nur Christ und kann gar nichts Höheres sein. … Bischof (und entsprechend Presbyter) ist man immer ›für euch‹ oder man ist es nicht.«

  • Die Lehre vom Glaubenssinn des ganzen Volkes Gottes besagt, dass nicht nur das amtliche Priestertum die Gabe der Wahrheitsfindung besitzt, sondern auch jeder und jede einzelne Gläubige. Denn das Konzil sagt klar: »Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben, kann im Glauben nicht fehlgehen« (LG 12,1). Jeder und jede einzelne Gläubige ist also geistbegabt; oder umgekehrt ausgedrückt: Niemand ist unbegabt! Allerdings bedarf das Gottesvolk dazu auch der Leitung des geweihten Amtes, wie das Konzil im unmittelbaren Kontext herausstellt: »Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und ernährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes, in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt (vgl. 1 Thess 2,13), den einmal den Heiligen übergebenen Glauben (vgl. Jud 3) unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil immer tiefer in den Glauben ein und wendet ihn im Leben voller an« (LG 12,1).

Es wird also betont, dass der Glaubenssinn des ganzen Gottesvolkes auf die Leitung des heiligen Lehramtes, also auf das geweihte Amt vor allem in der Gestalt des Bischofsamtes, angewiesen ist. Doch wie diese Leitung zu gestalten ist, was sie beinhaltet, wird nicht ausgesagt, nicht einmal angedeutet. Als zwei Eckdaten für diese »Leitung« können wohl gelten, dass das heilige Lehramt einerseits den Glaubenssinn nicht erst bewirkt, sondern vielmehr ermitteln muss, und andererseits als kritische Instanz die verschiedenen Glaubensäußerungen auf die Identität und Authentizität des Glaubens hin zu überprüfen hat (vgl. LG 12,2). Somit ist der Glaubenssinn einerseits neben dem heiligen Lehramt und der Theologie eine eigenständige Erkenntnis- und Bezeugungsinstanz des Glaubens und ist andererseits zugleich auf die Überprüfung seiner Echtheit durch das heilige Lehramt und die Theologie angewiesen.

2 Notwendige Korrekturen im kirchlichen Gesetzbuch


Recht in der Kirche steht nicht im theologieleeren Raum, sondern versteht sich durchweg als praktische Umsetzung theologischer Inhalte. Daher hat kirchliches Recht stets Maß zu nehmen an den jeweiligen theologischen Vorgaben. Genau das ist allerdings im Hinblick auf die ekklesiologische Stellung der Laien bisher nicht in hinreichendem Maße geschehen. Denn die Knotenpunkte des kirchlichen Lebens sind nach wie vor einseitig kleriker- bzw. priesterzentriert ausgestaltet, angefangen bei der alleinigen Entscheidungskompetenz in kirchlichen Gremien über die Dominanz bei den kirchlichen Diensten und Ämtern bis hin zur ausschließlichen Zuständigkeit für die Besetzung zentraler Kirchenämter. Die Berufung aller anderen Gläubigen des Gottesvolkes, also der Laien, tritt in den Schlüsselsituationen und -positionen dagegen kaum oder nur sehr eingeschränkt in Erscheinung. Um hier Theorie und Praxis zusammenzubringen, sind mehrere Rechtsreformen notwendig.

2.1 Explizite Aufnahme des gemeinsamen Priestertums und Glaubenssinnes aller Gläubigen

Da den beiden Lehren vom gemeinsamen Priestertum und vom Glaubenssinn aller Gläubigen eine »ontologisch-rechtliche« Bedeutung zukommt, sind die entsprechenden Schlüsselbegriffe in die grundlegenden Bestimmungen des Verfassungsrechts aufzunehmen. Gleich die einleitende verfassungsrechtliche Bestimmung Can. 204 § 1 sollte daher künftig so oder ähnlich umformuliert werden:

»Gläubige sind jene, die durch die Taufe Christus eingegliedert und zum Volk Gottes gemacht sind. Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist werden die Getauften zu einem heiligen Priestertum geweiht und mit dem Glaubenssinn begabt. Dadurch sind sie auf ihre Weise des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi teilhaft geworden und gemäß ihrer je eigenen Stellung zur Ausübung der Sendung berufen, die Gott der Kirche zur Erfüllung in der Welt anvertraut hat.« [...]


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