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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/con.2016.5.555-563
George Nedungatt SJ
Ökumene und die Reform des Kirchenrechts
»Die Frage nach der angemessenen ›Rechtsform‹ der Kirche ist ein eminent ökumenisches Problem. […] Der ›Juridizismus‹ der römisch-katholischen Kirche ist Gegenstand ernsthafter und grundlegender Kritik vonseiten der Orthodoxie ebenso wie seitens der reformierten Kirchen. Sie sehen sowohl in den Voraussetzungen als auch in den Schlussfolgerungen des Kirchenrechts einige der schwerwiegendsten Unterschiede, die sie von der römisch-katholischen Kirche trennen.«

So schrieb der führende Ökumeneforscher Lukas Vischer vor über 40 Jahren. Zu den Hauptunterschieden zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen gehören die kirchenrechtlichen Bestimmungen zum päpstlichen Primat, priesterlichen Zölibat und zur Stellung der Frauen. Papst Paul VI. gestand offen ein, dass der päpstliche Primat das größte Hindernis auf dem Weg der Ökumene ist. Kirchen, in denen der Priesterzölibat nicht obligatorisch ist, sind nicht bereit, ihre Tradition zugunsten der Einheit mit der katholischen Kirche aufzugeben. Nach katholischem Kirchenrecht sind klerikaler Status und klerikale Macht den Männern vorbehalten und die Frauen mithin Kirchenmitglieder zweiter Klasse.

Im vorliegenden Beitrag werde ich diese drei Punkte, die für die Ökumene von Bedeutung sind – den päpstlichen Primat, den priesterlichen Zölibat und die Stellung der Frauen in der römisch-katholischen Kirche – kurz erörtern. Beginnen will ich jedoch mit einem kurzen Überblick über das, was das katholische Kirchenrecht über die Ökumene sagt.

1. Die Ökumene aus kirchenrechtlicher Sicht


Das geltende Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche ist in drei Dokumenten niedergelegt, die Papst Johannes Paul II. herausgegeben hat: 1) dem Codex des kanonischen Rechtes oder Codex Iuris Canonici (CIC) von 1983 für die lateinische Kirche; 2) dem Codex der Canones der Ostkirchen oder Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO) von 1990; 3) der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus über die römische Kurie von 1988. Das Kirchenrecht der orthodoxen Kirchen besteht hauptsächlich aus den Canones, die auf den ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends festgeschrieben worden sind. Die protestantischen und reformierten Kirchen haben ihre eigene Kirchenordnung. Die Pfingstler haben keine kanonische oder allenfalls eine sehr lockere Struktur: Hier gilt die Bibel als wichtigste Quelle für Regeln und Ordnung. Die ausgefeilteste kanonische Struktur ist die der römisch-katholischen Kirche.

Die Ökumene wird im Codex des kanonischen Rechtes allzu summarisch abgehandelt. Can. 755 erklärt:

»Aufgabe des ganzen Bischofskollegiums und besonders des Apostolischen Stuhles ist es, die ökumenische Bewegung bei den Katholiken zu pflegen und zu leiten; Ziel der ökumenischen Bewegung ist die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen« und:

»Ebenso ist es Aufgabe der Bischöfe und, nach Maßgabe des Rechts, der Bischofskonferenzen, diese Einheit zu fördern.«


Indem er die Ökumene dem Lehramt der kirchlichen Hierarchie unterstellt, beruft sich der Canon auf die Rolle der römisch-katholischen Kirche als Mater et Magistra aller Kirchen, was, wenn es um ökumenische Beziehungen geht, nicht eben hilfreich ist.

Der Codex der Ostkirchen, der in der Regel kaum Beachtung findet, befasst sich in Titel XVIII (»Der Ökumenismus oder die Förderung der Einheit der Christen«) in sieben Canones (Cann. 902‒908) mit dem Thema Ökumene. Zusammenfassend wird darin etwa Folgendes ausgesagt: Alle christlichen Gläubigen und insbesondere die Hirten sollen für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche beten und arbeiten (902). Sie sollen sie durch Gebet, gutes Beispiel, Treue zu den Überlieferungen, Zusammenarbeit und wechselseitige Wertschätzung fördern (Can. 903). Jede Kirche sui iuris soll unter Leitung des Apostolischen Stuhls ihre partikularrechtlichen Bestimmungen zur Förderung der Ökumene haben (Can. 904 § 1). Es sollte eine Ökumene-Kommission oder zumindest einen zuständigen Experten geben (§ 2); dasselbe gilt auch für jede Eparchie (§ 3). Vermieden werden müssen im ökumenischen Dialog und in ökumenischen Initiativen falscher Irenismus, Gleichgültigkeit und Übereifer (Can. 905). Alle und insbesondere die Priester und Lehrer müssen sorgfältig darauf achten, dass sie die Lehre der katholischen Kirche und der anderen Kirchen zutreffend darstellen (Can. 906). Schulen, Krankenhäuser und andere derartige Einrichtungen sollten Möglichkeiten einer Begleitung der jeweiligen christlichen Studierenden, Kunden usw. durch geweihte Seelsorger bieten (Can. 907). Schließlich wird Katholiken empfohlen, unter gebührender Berücksichtigung der Communicatio in Sacris in allen Bereichen wie etwa der karitativen Arbeit, der sozialen Gerechtigkeit, der Verteidigung der Menschenwürde und der Rechte der Personen, in der Friedensförderung, bei nationalen Feierlichkeiten usw. mit anderen christlichen Gläubigen zusammenzuarbeiten (Can. 908). Die besagten Canones sind gespickt mit Fußnoten, die insbesondere auf die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils (LG, OE, UR) und auf das Direktorium des Sekretariats für die Einheit der Christen vom 14. Mai 1967 verweisen.

Vielleicht ist an dieser Stelle eine Bemerkung zu der womöglich auffälligen Formulierung »römischer Apostolischer Stuhl« angebracht, die in Can. 904 § 1 verwendet wird. Im katholischen Kontext spricht man in der Regel vom »Apostolischen Stuhl«. Die Hinzufügung des Attributs »römisch« impliziert, dass neben Rom, dem einzigen Apostolischen Stuhl der westlichen Welt, weitere Apostolische Stühle wie Jerusalem, Antiochia und Ephesus existieren, die ebenfalls von den Aposteln gegründet worden sind. Den Ausdruck »Apostolischer Stuhl« absolut, das heißt ohne nähere Bestimmung zu verwenden heißt, diese Apostolischen Stühle zu ignorieren, was in der Ökumene für Irritationen sorgen könnte. Der Ostcodex folgt dem Konzilsdekret über den Ökumenismus (UR 3) und verwendet den Ausdruck »Römischer Apostolischer Stuhl« nur ein einziges Mal (ein hapax legomenon).

2. Der päpstliche Primat

Aus ökumenischer Sicht sind die Aussagen des katholischen Kirchenrechts über den Papst äußerst unzureichend: »Der Bischof der Kirche von Rom […] ist Haupt des Bischofskollegiums, Stellvertreter Christi und Hirte der Gesamtkirche hier auf Erden; deshalb verfügt er kraft seines Amtes in der Kirche über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt« (CIC Can. 331; CCEO Can. 43) im Bereich der Legislative, Exekutive und Judikative. Der Papst »kann von niemandem vor Gericht gezogen werden« (CIC Can. 1404, CCEO Can. 1058). Diese Canones, die gespickt sind mit Fußnotenverweisen auf das Erste und das Zweite Vatikanische Konzil, erklären den Papst zum »Obersten Pontifex«, der über dem Gesetz steht. Er kann nicht belangt werden. Doch was ist, wenn ein Papst des Ehebruchs überführt wird wie Papst Alexander VI. oder homosexuell ist und von seinem Partner verraten wird? US-Präsident Bill Clinton musste sich nach seinem Ehebruch einem Amtsenthebungsverfahren stellen. Doch für den Fall eines wie auch immer gearteten päpstlichen Fehlverhaltens ist im Kirchenrecht nichts vorgesehen. Kanonisten zufolge verliert ein Papst, der sich der Ketzerei schuldig macht, sein Amt ipso facto. [...]


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